Lernbegleitung

Oft werden digitale Medien fast ausschliesslich fürs Üben und Trainieren genutzt. Damit wird deren Potential aber bei weitem nicht ausgeschöpft, denn sie können in allen Phasen des Lernprozesses eine wichtige Rolle spielen.

Digitale Medien im Lernprozesse

Im folgenden Clip wird anhand eines universellen Onlinetools wie Padlet aufgezeigt, wie digitale Medien in den verschiedenen Phasen des Lernprozesses eingesetzt werden können:


Lernen sichtbar machen

Selbstwirsamkeitserfahrungen sind ein entscheidender Treiber für die Lernmotivation. Durch multimediale und kollaborative Funktionen sind digitale Medien prädestiniert für vielfältige und aktivierende Lernaufgaben. Sie eignen sich aber auch sehr gut, um den Lernprozess zu dokumentieren und zu reflektieren. Im nächsten Video werden anhand konkreter Beispiele verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, um im kompetenzorientierten Unterricht das Lernen sichtbar zu machen:


(e)Portfolio

Ein ePortfolio ist quasi eine digitale Sammelmappe mit dem das Lernen dokumentiert, reflektiert und präsentiert werden kann. Ein wichtiger Aspekt dabei ist auch das gegenseitige Teilen und der Austausch über die Lernerfahrungen. In ihrer sehr hörenswerten Podcast-Folge sprechen Andi Brugger und Simon Häusermann über Gelingensbedingungen, eigene Erfahrungen und Auswirkungen auf den Unterricht und das Lernen:

Gemäss den Podcast-Machern ist eine wichtige Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Einführung von (e)Portfolios, dass die LP eigene Erfahrungen damit hat. Im Prinzip kann diese Forderung ja aufs Lernen generell ausgeweitet werden: Eine Lehrperson, die sich selber nicht ständig neuen Lernvorhaben aussetzt, ist bei der Begleitung von Lernenden nicht wirklich glaubwürdig.

Ein geeignetes Tool für ein ePortfolio ist OneNote. Aber auch Powerpoint, Book Creator oder ein Website-Baukasten könnten gut dafür verwendet werden. Im Endeffekt wäre es wichtig, dass die Lernenden ihr Tool der Wahl nutzen und auch über die Schulzeit weiterpflegen können.


Feedbackkultur

Feedbacks sind zentraler Faktor für den Lernerfolg und zwar in alle Richtungen: Die Feedbacks der Lernenden an die Lehrperson also mindestens so sehr wie umgekehrt. Ein hilfreiches Feedback ist wird zeitnah abgegeben, ist ressourcenorientiert, wertschätzend und konstruktiv.

Eine hilfreiche Methode kann der Feedbackhamburger sein. Dabei werden Beobachtungen, Kritik und Anregungen für die Weiterentwicklung von einem positiven Einstieg und Ausblick eingerahmt. Das Instrument soll aber nicht als starres Muster angewendet werden, das würde rasch durchschaut und entsprechend nur noch selektiv registriert. Vielmehr soll es eine positive, wertschätzende und vertrauensbasierte Grundhaltung widerspiegeln.

Zu einer guten Feedbackkultur gehört natürlich auch, dass sich die Lernenden gegenseitig konstruktives Feedback geben und das will geübt sein. Der Feedbackhamburger und hilfreiche Satzanfänge können helfen, die Rückmeldung sinnvoll zu strukturieren und abgedroschene Floskeln zu vermeiden.

Für die Lehrperson wiederum kann aus den Feedbacks der Lernenden Rückschlüsse auf den Lernerfolg ziehen und den Unterricht entsprechend anpassen.

Digitale Medien erweitern das Spektrum an Feedbackformen insbesondere durch zeit und ortsunabhängige und multimediale Möglichkeiten. Die Aufgabenfunktion von Teams ist aktuell zwar immer noch auf schriftliches Feedback mit limitierter Zeichenzahl beschränkt. Wird das Lernen hingegen in OneNote dokumentiert, beispielsweise in einem Klassennotizbuch, so wäre auch ein Audiofeedback eine niederschwellige und oft persönlicher wahrgenommene Alternative.


Beurteilung

Traum der selbstkorrigierenden Prüfung relativieren: Hoher Aufwand, v.a. reproduzierbares Wissen prüfen, Kompetenzorientierung?

formativ statt summativ


Weitere Informationen und Materialien

Linkliste: https://www.schabi.ch/seite/lernbegleitung

Klassenführung

Reglen sollten einfach und kontrollierbar sein. Hier ein Versuch einer Regel für BYOD im Unterricht:

Digitale Geräte werden im Unterricht ausschliesslich fürs Lernen genutzt. 

Das Ablenkungspotential wird so weit wie möglich minimiert (Pushnachrichten ausblenden, Startscreen fürs Lernen optimieren, …).

Werden die Geräte nicht gerade gebraucht, so sind sie unsichtbar verstaut (Tasche, Rucksack, …)

Regeln besprechen und durchsetzen

Regeln nützen nur etwas, wenn sie von allen Beteiligten verstanden und konsequent durchgesetzt werden. Eine zeitaufwändiges, aber meist nachhaltigeres Vorgehen ist es, Regeln und v.a. Sanktionen partizipativ zu erarbeiten. Jugendlichen ist durchaus bewusst, dass die privaten Geräte ein grosses Ablenkungspotential haben und deshalb Regeln unumgänglich sind. Durch die Mitbeteiligung bei der Erarbeitung, werden die Regeln besser mitgetragen und allfällige Sanktionen eher akzeptiert. Andernfalls kann es vorkommen, dass die LP in eine «Polizist:innen-Rolle» verfällt, die ein unbefriedigendes Katz-und-Maus-Spiel zur Folge haben kann.

Didaktik/Methodik

Oft driften Lernende ab, wenn der Auftrag zu wenig klar und zwingend ist und das Ergebnis nicht zeitnah überprüft wird. Im Idealfall ist der Auftrag so motivierend und herausfordernd, dass gar keine Zeit bleibt, um auf Nebenschauplätze abzudriften. Wird kein überprüfbares Lernprodukt eingefordert («recherchiert mal ein bisschen!» oder «jetzt könnt ihr 10 min Voci üben», ist das Ablenkungspotential gross. Von der Lehrperson wird dadurch eine hohe mediendidaktische Kompetenz verlangt. 

Technische Unterstützung

SuS bei der Konfiguration der Geräte unterstützen:

  • Wie könnte man auf der Benutzeroberfläche der privaten Geräte die schulische und private Nutzung voneinander trennen (verschiedene Startscreens? Evt. versch. Profile?)
  • Wie können Störungen minimiert werden? Lassen sich beispielsweise Pushnachrichten einfach und doch gezielt deaktivieren?
  • Wie können alle Logins sicher verwaltet werden? (Guideline für sicheres Passwort, Password-Safe einrichten, …)

Ein entscheidender Faktor spielt dabei ein niederschwelliger Support. Gerade der Support von Lernenden für Lernende kann einerseits die Schule sehr entlasten und andererseits das Verantwortungsgefühl der beteiligten deutlich steigern.

Medienerzieherische Begleitung

Damit die Lernenden einen produktiven und reflektierten Medienumgang entwickeln können, müssen Sie immer wieder mit ihrem eigenen Verhalten konfrontiert werden. So könnte beispielsweise bei der Reflexion des Lernprozesses (ePortfolio, Lernjournal) immer auch eine Frage zur Mediennutzung gestellt werden:

  • Wann und wie wurdest du diese Woche bei der Arbeit mit digitalen Geräten vom Lernen abgelenkt? Was wirst du künftig dagegen unternehmen?
  • Was gelingt dir besser digital? Was analog? Und warum?
  • Welche neue digitale Arbeitstechnik/Funktion hast du diese Woche kennengelern? Was möchtest du als nächstes lernen?

Auch der Klassenrat oder eine Peer-Review-Runde können hilfreiche Gefässe sein, um den Umgang mit digitalen Medien in der Schule zu thematisieren.

Zur medienerzieherischen Begleitung gehört auch, dass nicht nur MIT sondern v.a. auch ÜBER Medien gelernt wird. Rechtliche Aspekte wie das Urheberrecht, der Datenschutz oder missbräuchliches Verhalten (Cybermobbing, Sexting, …), wie auch gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Auswirkungen des digitalen Wandels müssen in einer zeitgemässen Bildung zwingend immer wieder aufgegriffen werden. Naheliegenderweise gelingt das LP besser, die bezüglich ihrer Mediennutzung eine Vorbildfunktion einnehmen und über eine entsprechend hohe Medienkompetenz verfügen. Wer sich dagegen mit seiner Medienabstinenz brüstet und sich abschätzig über die Mediennutzung der Jugendlichen äussert, wird von den wenigsten Lernenden als Vorbild wahrgenommen! 😉

Haltungen

Der letzte Punkt führt letztlich zwangläufig zur Haltungsfrage: Wenn LP selber nicht von BYOD überzeugt sind und sich nicht kompetent fühlen für einen sinnhaften Einsatz von digitalen Geräten im Unterricht, so wird sich kein positiver Effekt aufs Lernen der Schülerinnen und Schüler einstellen.  Zwar müssen nicht alle LP mit wehenden Fahnen und mit der gleichen Intensität in das BYOD-Projekt einsteigen, aber ein minimaler Konsens in Bezug auf die Integration von digitalen Medien im Unterricht ist im Team unumgänglich.

Links

Sicherheit

Beim Schutz der Privatsphäre geht es um mehr, als kompetent mit Medien umzugehen oder bestimmte Einstellungen auf Facebook und Whatsapp anzuklicken. In erster Linie geht es um das Erkennen, was privat und was öffentlich ist. Nur wer dies vermag, kann sein Leben eigenständig gestalten und sich sicher im Netz bewegen. Der Druck auf die Privatsphäre nimmt stets zu und gerade junge Menschen müssen die Konsequenzen dieser Entwicklung abschätzen können.

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Informatisches Grundwissen

Um problemlos an einer von digitalen Medien geprägten Welt teilhaben zu können, braucht es ein minimales Verständnis für die Funktion der Geräte und des Zusammenspiels der digitalen Medien untereinander. Was für uns im Alltag selbstverständlich und einfach zu bedienen ist, basiert auf enorm komplizierten Technologien. Natürlich können wir diese nicht im Detail begreifen, dennoch sollten wir die wichtigsten Grundprinzipien, Begriffe und Grössen verstehen: Was heisst Megabyte? Welche Audioformate gibt es? Und welches Format verwende ich für welchen Zweck? Was bedeutet eigentlich «Cloud»?

Diese informatischen Konzepte werden idealerweise an einem konkreten Beispiel erklärt und erfahrbar gemacht. Deshalb kann es Sinn machen, die einen oder anderen Technologien fachintegriert zu thematisieren.
Beispiel: Thema «Wie funktionieren Suchmaschinen?» mit Recherche-Projekt in NMG verbinden.

Hier ist die Absprache zwischen den MI-Fachlehrpersonen und dem restlichen Team gefragt: Welche Inhalte werden im Fach thematisiert? Was wird integrativ vermittelt?
> Weitere Infos zum Kompetenzbereich Informatik (externer Link)

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Grundtechniken

Obwohl die Kinder und Jugendlichen der heutigen Zeit digitale Medien sehr selbstverständlich und intuitiv nutzen, erlernen sie nicht alle Grundtechniken für eine sinnvolle und effiziente schulische Nutzung nebenbei. Für den Aufbau von Grundtechniken, welche später den Arbeitsalltag erleichtern, braucht es in der Schule Zeitgefässe für die Einführung und Reflexion. Bei einem BYOD ist es unabdingbar, dass die Lernenden über gegenseitigen Erfahrungsaustausch voneinander profitieren. Einzelne besonders kompetente und affine Jugendliche könnten auch zu 1st-Level-Supporter:innen ausgebildet werden und somit viel zu einer reibungslosen Nutzung von digitalen Medien im Unterricht beitragen.

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Tastaturschreiben

Beim Tastaturschreiben gehen die Meinungen weit auseinander: Die einen fordern eine möglichst frühe und sorgfältige Einführung, damit fürs Tippen nicht so viel Zeit vergeudet wird. Andere wiederum sind nicht bereit für so eine banale Tätigkeit wertvolle Unterrichtszeit zu investieren. Wenn schon soll das Üben freiwillig in der Freizeit stattfinden.

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Handhabung

Die Heterogenität des Geräteparks bei einem freiwilligen BYOD verlangt nach einer deutlich höheren Flexibilität aller Beteiligter. Die Lernenden wechseln zwischen Smartphones und Geräten mit grösseren Screens sowie zwischen privaten und schulischen Geräten ab. Entsprechend kann die Vertiefung der Anwendungskompetenzen nur bedingt geräte- und softwarespezifisch erfolgen, sondern muss v.a. die Grundkonzepte ins Auge fassen: Wie lege ich meine Daten so ab, dass ich innert nützlicher Frist von allen Geräten darauf zugreifen kann? Wie organisiere ich meinen Schulalltag kompetent und effizient? Wie verhindere ich einen Datenverlust? Wie bewege ich mich sicher durchs Netz? Welcher Gerätetyp eignet sich für welche Lernaktivität? Wie arbeite ich über Clouddienste effizient mit anderen Personen zusammen?

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Vielgestaltige Auseinandersetzung mit Lektüre

Dieser Beitrag wurde einem Blogbeitrag der Sek Andelfingen (Autorin: Diana Kälin) entnommen und erweitert.

Als Vorbereitung auf die Lesung von Alice Gabathuler lasen die Schülerinnen und Schüler auf dem iPad das Buch Blackout. Für jeden Abschnitt des Buchs konnten sie frei ein Werkzeug wählen:

Mit MindMeister wurde beispielsweise eine MindMap zum Verlauf der Geschichte erstellt. Eine MindMap hilft, die Struktur eines Textes zu erkennen, Zusammenhänge und Verbindungen sichtbar zu machen.

Mit Google Docs (Alternative Microsoft Word) galt es eine kurze Zusammenfassung eines Buchteils zu verfassen. Da die Datei über die Cloud mit mir geteilt wurde, konnte ich mein Feedback direkt im Text anbringen.

Eine gestalterische Auseinandersetzung ermöglichen die Apps Book Creator und Comic Life. Mit ersterer App lässt sich ein Abschnitt als multimediales eBook umsetzen, das neben Bild und Text auch Filme, Audioelemente und Handzeichnungen enthalten kann. Mit Comic Life ist es kinderleicht eine elegante Fotostory zusammenzustellen.

Eine weitere Möglichkeit der Verarbeitung war, ein Quiz mit der App Quizlet zu erstellen, das normalerweise für das Voci-Büffeln in den Fremdsprachen genutzt wird. Die Lernenden hatten so die Möglichkeit ihr Textverständnis zu überprüfen:

Als Abschluss der Lektüre galt es eine digitale Schnitzeljagd zu absolvieren, die mit Actionbound gemacht wurde.

Die Autorin Alice Gabathuler war an der Lesung begeistert von den vielfältigen Produkten unserer Klassen.

Weitere Möglichkeiten